Interview Erich Polz Kleine Zeitung

Interview Erich Polz Kleine Zeitung 13.5.2017

 
Aus der Kleinen Zeitung 13.5.2017


 

VON DEN WEINBERGEN ZU DEN KLASSIKGIPFELN

Heimspiele für Erich Polz: Am Sonntag (14. Mai) dirigiert der junge Steirer im Grazer Stephaniensaal, im Juli gibt er sein styriarte-Debüt.

Mit Ihrer Herkunft ist ein gewisser Qualitätsanspruch verbunden. Wie haben Sie den „Turn“ bewältigt?

ERICH POLZ: Im Doppelpack mit meinem Bruder Christoph. Wir haben herausgefunden, dass es bei unseren Produkte, so gut die auch waren, noch Luft nach oben gab. Frei nach Goethe legten wir uns unter dem Motto „Was den Wein im Innersten zusammenhält“ die Messlatte hoch. Übrigens tue ich auch heute nichts anderes.

Wie kam es dazu?

ERICH POLZ: Ich habe das Elternhaus vor neun Jahren verlassen, um in Wien Musik zu studieren. Dass ich mit 23 überhaupt aufgenommen wurde, grenzt an ein kleines Wunder. Den Betrieb führt nun mein Bruder allein.

Zu Ihren erklärten Lieblingskomponisten zählt Ludwig van Beethoven. Warum?

ERICH POLZ: Bei seiner Kraft, seinem Gefühl für „Masse“, seinem oft missverstandenen Pathos und seinen ethischen Ansprüchen, die heute mehr denn je Gültigkeit haben, bin ich fest davon überzeugt, dass dieser letzte „Wiener Klassiker“ auch wieder mehr in unser Bewusstsein treten wird. Denn hier gibt’s nichts zum Schummeln, der große Gestus allein hilft nicht weiter. Was mich besonders reizt, ist sein Fokus auf die Form und die daraus folgende Interaktion. Es ist in der Musik nicht viel anders als in der Natur. Ich meine, man könnte diese Formwunder nachgerade „göttlich“ nennen.

 
Das Ensemble Modus21 wurde von Ihnen 2013 gegründet. Was schwebte Ihnen damals vor?

ERICH POLZ: Damals war ich Dirigentenstipendiat beim Gustav-Mahler-Orchester. Lauter exzellente junge Musiker. Es ist der gemeinsame Geist, der uns vereint. Zugegeben, viel privates Engagement war vonnöten. Besonders am Anfang.

Geht’s heute besser? Wie halten Sie sich über Wasser?

ERICH POLZ: Es ist ein Kunststück, das gebe ich zu. Jetzt haben wir schon Einiges an Subventionen und auch ein paar wohlwollende Förderer. Ich blicke, so hoffe ich, in eine rosiger werdende Zukunft.

Am kommenden Sonntag werden Sie neben der „Eroica“ auch Edward Elgars berühmtestes Stück und eine extra für Sie komponierte Uraufführung leiten.

ERICH POLZ: Ich habe vor Beethovens einen Heidenrespekt. So traue ich mich erst jetzt über seine dritte Symphonie. Das Motto „Frauen, Mütter, Heldinnen“ geht über den eigentlichen Muttertag hinaus. Im Cellokonzert von Edward Elgar wird die französische Starcellistin Nadège Rochat den Solopart spielen. Die aus Bulgarien stammende, in Luxemburg lebende Komponistin Albena Petrovic-Vratchanska hat für uns das etwa zehnminütiges Poème lyrique „Melusina“ komponiert. Die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz wird dazwischen lesen.

Ihre Familie steht hinter Ihnen?

ERICH POLZ: Am Anfang hat mein Vater noch gemeint: „Einen Künstler in der Familie werden wir schon aushalten!“. . Heute sind alle schon etwas stolz auf mich.

 

http://www.kleinezeitung.at/steiermark/suedsuedwest/5259356/Sommergespraech-aus-der-Suedsteiermark_Dirigent-Erich-Polz_Einen