Interview Erich Polz Kleine Zeitung

Interview Erich Polz Kleine Zeitung – Sommergespräch 30.7.2017

Aus der Kleinen Zeitung 30.7.2017, von Helena Wallner


SOMMERGESPRÄCH AUS DER SÜDSTEIERMARK

Dirigent Erich Polz: "Einen Künstler werden wir schon verkraften"

Vom Weinbauern zum Dirigenten: Erich Polz junior aus der südsteirischen Weinbauernfamilie tauschte schon früh die Rebhänge am heimatlichen Grassnitzberg mit dem Dirigentenpult. Eine beachtliche Karriere, die dennoch erst am Anfang steht.

Nichts übereilen, alles organisch wachsen lassen, steht auf Ihrer Homepage. Das klingt nach Weinbauleitsatz.

Erich Polz jun.: Diese Grundkenntnisse kommen sowohl aus dem Weinbau als auch aus der Musik. Man sieht erst, wenn man das Zweite macht, wie viel es mit dem Ersten zu tun hat. Ein anderer Zugang stammt aus der Liturgie, genitum non factum, es muss entstehen und nicht gemacht werden. Der Satz hat sich auf meinen Lebensweg übertragen. Durch die Musik habe ich ein Grundvertrauen erlangt. Eine Karriere als Dirigent baut viel auf Vertrauen und Charakter auf.

Welche prägende Kindheitserinnerung ist abrufbar?

Im musikalischen Bereich fällt mir Maria Fürntratt, die Chorleiterin von „HIB-art-chor“ Liebenau ein. Sie hat mich zur Musik gebracht und in eine andere Welt entführt, das hat mich fasziniert. Schon bei der Maturaverabschiedung sagte ich, wäre nicht der Betrieb zu Hause, würde ich Dirigent studieren. Ich wollte früher auch einmal Pfarrer werden, denn vor Menschen zu stehen, hat mich elektrisiert und begeistert.

Um der Legendenbildung zuvorzukommen, wann fiel der Entschluss, dem Weinbau den Rücken zu kehren?

Während meines Studiums an der Boku und WU in Wien schickte mich mein Vater 2008 zum Weinbau-Praktikum, dort im Burgund war es plötzlich für mich Gewissheit, dass ich Musik probieren muss. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon viel gesungen, aber theoretisch konnte ich nichts. Das Dirigieren war wie ein Geschenk für mich. Und daheim hieß es zum Glück, einen Künstler werden wir schon verkraften’.

 
„Ein Dirigent ist als Magier am Werk. Er behält seine Hände beschwörend hoch, bis die Musik wetterleuchtet und donnert“, heißt es bei Ingeborg Bachmann.

Der Beruf des Dirigenten ist eigentlich bei Beethoven notwendig geworden, die Eroica, die dritte Symphonie, geriet so gewaltig, dass sich die Hörner und Geigen nicht mehr gehört haben. Zuvor bewältigten die Musiker im Zusammenspiel und mit dem Konzertmeister alles allein. Es war nicht erforderlich, dass jemand davor stand und wedelte. Die Notwendigkeit eines Organisators bestimmt unseren Beruf. Ich kann der größte Wetterleuchter sein, aber bei 80 Leuten kann man nicht demokratisch ausmachen, wann begonnen wird. Ich leiste dem Orchester den Dienst, dass es miteinander dem Publikum das geben kann, was wichtig ist.

Kammerorchester Modus 21, Festspiele Erl - wie sind diese Wirkungskreise gewichtet?

In Erl habe ich die Probendirigate für den „Ring des Nibelungen“ gemacht. Es war für mich wichtig, dieses Repertoire kennenzulernen. In Modus 21 stecke ich viel persönliche Energie hinein, weil es ein Orchester mit Musikerqualitäten ist, die ich so nicht bekommen würde. Jetzt geht es aber sehr in die freie, symphonische Richtung.

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Den Rest des Interviews können Sie nachlesen auf http://www.kleinezeitung.at/steiermark/suedsuedwest/5259356/Sommergespraech-aus-der-Suedsteiermark_Dirigent-Erich-Polz_Einen